Brutto und Netto: So hängen sie beim Mindestlohn zusammen
Der gesetzliche Mindestlohn steigt auf 13,90 €/h (2026) und 14,60 €/h (2027); das monatliche Brutto liegt dann bei etwa 2.410 € bzw. 2.530 € – das Netto hängt stark von Steuerklasse und Sozialversicherung ab.
Wie Brutto und Netto zusammenhängen
Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fragen sich: Was bleibt von meinem Bruttogehalt eigentlich netto übrig? Besonders beim Mindestlohn ist diese Frage relevant, denn hier sind die Spielräume oft gering. In diesem Artikel erklären wir den Zusammenhang zwischen brutto und netto, zeigen die aktuellen Mindestlohn-Stufen und geben Orientierung für typische Berufe.
Die Grundlagen: Brutto, Netto und die Abzüge
Das Bruttogehalt ist der Betrag, den Ihr Arbeitgeber Ihnen vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen zahlt. Das Nettogehalt ist das, was nach allen Abzügen auf Ihrem Konto landet. Die Differenz setzt sich zusammen aus:
- Lohnsteuer: gestaffelt nach Steuerklasse und Höhe des Einkommens
- Solidaritätszuschlag: entfällt für die meisten Steuerzahler seit 2021, kann aber bei sehr hohen Einkommen noch anfallen
- Kirchensteuer: nur wenn Sie Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft sind
- Sozialversicherungsbeiträge: Krankenversicherung (ca. 14,6 % + Zusatzbeitrag), Pflegeversicherung (ca. 3,05 % bzw. 3,4 % bei Kinderlosen), Rentenversicherung (18,6 %), Arbeitslosenversicherung (2,6 %) – jeweils zur Hälfte vom Arbeitnehmer getragen
Die genauen Prozentsätze variieren leicht je nach Krankenkasse und Bundesland. Entscheidend für die Lohnsteuer ist Ihre Steuerklasse. Die meisten Arbeitnehmer sind in Steuerklasse I (ledig, keine Kinder) oder Steuerklasse IV (verheiratet, beide gleich verdienend).
Aktuelle Mindestlohn-Entwicklung
Der gesetzliche Mindestlohn wird schrittweise angehoben. Die Mindestlohnkommission empfiehlt, und die Bundesregierung setzt um:
- 2025: 12,82 € pro Stunde → ca. 2.218 € brutto/Monat (173 h)
- 2026: 13,90 € pro Stunde → ca. 2.410 € brutto/Monat
- 2027: 14,60 € pro Stunde → ca. 2.530 € brutto/Monat
Diese Zahlen basieren auf einer Vollzeitstelle mit 40 Wochenstunden (173 Stunden monatlich). Wer weniger arbeitet, erhält entsprechend weniger Brutto.
Beispielrechnung: Mindestlohn 2026 – Brutto und Netto
Nehmen wir eine alleinstehende Person in Steuerklasse I, gesetzlich krankenversichert, ohne Kirchensteuer und ohne Kinder. Bei einem Bruttogehalt von 2.410 € ergeben sich folgende Abzüge (geschätzt):
- Lohnsteuer: ca. 160–200 € (abhängig vom genauen Steuertarif und Grundfreibetrag)
- Solidaritätszuschlag: 0 € (da Einkommen unter Freigrenze)
- Krankenversicherung (Arbeitnehmeranteil): ca. 175 €
- Pflegeversicherung: ca. 37 €
- Rentenversicherung: ca. 224 €
- Arbeitslosenversicherung: ca. 31 €
Summe Abzüge: ca. 630–670 € → Netto etwa 1.740–1.780 €.
Das ist eine grobe Schätzung. Der tatsächliche Nettobetrag kann je nach Krankenkasse und Zusatzbeitrag um einige Euro abweichen. Nutzen Sie für eine genaue Berechnung unseren Brutto-Netto-Rechner.
Unterschiede nach Steuerklasse und Beruf
Die Steuerklasse hat großen Einfluss auf das Netto. In Steuerklasse III (verheiratet, Alleinverdiener) bleibt deutlich mehr netto übrig als in Steuerklasse I. Auch Kinderfreibeträge oder Kirchensteuer verändern das Netto.
Die folgende Tabelle zeigt typische Bruttogehälter in verschiedenen Berufen (jeweils Vollzeit, Steuerklasse I, gesetzlich versichert). Die Netto-Werte sind Richtwerte:
| Beruf | Brutto/Monat | Geschätztes Netto (Steuerkl. I) |
|---|---|---|
| Verkäufer / Einzelhandel | ~2.600 € | ~1.850–1.950 € |
| Lagerist / Logistik | ~2.800 € | ~1.950–2.050 € |
| Kraftfahrer | ~2.900 € | ~2.000–2.100 € |
| Bürokraft / Verwaltung | ~3.200 € | ~2.150–2.250 € |
| Handwerker | ~3.400 € | ~2.250–2.350 € |
| Pflegefachkraft | ~3.600 € | ~2.350–2.450 € |
| Krankenpfleger / Pflege | ~3.500 € | ~2.300–2.400 € |
| Gastronomie / Service | ~2.500 € | ~1.800–1.900 € |
Diese Werte sind Schätzungen basierend auf den genannten Annahmen. Tatsächliche Abzüge können abweichen. Weitere Informationen zu den einzelnen Berufen finden Sie in unserem Themenbereich.
Warum die Unterscheidung von Brutto und Netto wichtig ist
Wer seinen Lohn verhandelt oder einen Jobwechsel plant, sollte immer das Bruttogehalt betrachten. Denn das Netto hängt von vielen persönlichen Faktoren ab. Ein höheres Brutto bedeutet nicht automatisch ein proportional höheres Netto, da Steuern und Sozialabgaben progressiv wirken. Gerade beim Mindestlohn ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto relativ gering, weil die Lohnsteuer niedrig ist – aber die Sozialversicherungsbeiträge schlagen voll zu Buche.
Fazit
Der Zusammenhang zwischen brutto und netto ist für jeden Arbeitnehmer wichtig zu verstehen. Der Mindestlohn steigt in den nächsten Jahren deutlich an, aber das Netto wächst nicht im gleichen Maße, da auch die Beitragsbemessungsgrenzen und Steuertarife angepasst werden. Nutzen Sie unsere Daten-Seite für aktuelle Tabellen und vergleichen Sie verschiedene Szenarien mit unserem Rechner.
Bei weiteren Fragen helfen Ihnen die offiziellen Stellen wie das BMAS oder die Mindestlohnkommission. Auch die Deutsche Rentenversicherung und Ihre Krankenkasse können zu individuellen Abzügen Auskunft geben.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Mindestlohn 2026 brutto pro Monat?
Bei einer Vollzeitbeschäftigung mit 173 Stunden pro Monat ergibt der Mindestlohn von 13,90 €/h ein Bruttogehalt von etwa 2.410 €. Das entspricht rund 28.912 € brutto im Jahr.
Was bleibt netto vom Mindestlohn 2026 übrig?
Das Netto hängt von Ihrer Steuerklasse und Ihren Sozialversicherungsbeiträgen ab. In Steuerklasse I (ledig, keine Kinder, gesetzlich krankenversichert) können Sie mit etwa 1.600–1.700 € netto rechnen. Genaue Werte liefert der Brutto-Netto-Rechner.
Welche Abzüge werden vom Bruttogehalt abgezogen?
Vom Brutto werden Lohnsteuer, ggf. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sowie die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. Die Summe dieser Abzüge ergibt das Nettogehalt.