Was ist Mindestlohn in Deutschland? Brutto und Netto verstehen
Der gesetzliche Mindestlohn steigt 2026 auf 13,90 Euro pro Stunde (rund 2.410 Euro brutto monatlich), das Netto hängt jedoch stark von Steuerklasse und Sozialabgaben ab.
Was ist der Mindestlohn in Deutschland?
Der gesetzliche Mindestlohn ist die unterste Vergütungsgrenze, die Arbeitgeber in Deutschland ihren Beschäftigten pro Arbeitsstunde zahlen müssen. Er wird von der Mindestlohnkommission empfohlen und durch die Bundesregierung per Verordnung festgesetzt. Aktuell (2025) liegt er bei 12,82 Euro brutto pro Stunde. Ab dem 1. Januar 2026 steigt er auf 13,90 Euro und ein Jahr später auf 14,60 Euro. Damit verdient eine Vollzeitkraft (ca. 173,33 Stunden pro Monat) brutto rund 2.410 Euro monatlich im Jahr 2026.
Doch was bedeutet das für Ihr Portemonnaie? Viele Beschäftigte fragen sich: Was ist Mindestlohn in Deutschland wert, wenn alle Abzüge abgezogen sind? Der Unterschied zwischen Brutto und Netto ist oft größer als gedacht. In diesem Artikel erklären wir, wie sich Ihr Nettolohn zusammensetzt und welche Faktoren ihn beeinflussen.
Brutto und Netto – der grundlegende Unterschied
Das Bruttogehalt ist der Betrag, den Ihr Arbeitgeber Ihnen vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben zahlt. Das Nettogehalt ist das, was nach allen gesetzlichen Abzügen auf Ihrem Konto landet. Die Differenz setzt sich zusammen aus:
- Lohnsteuer – abhängig von Ihrer Steuerklasse und Ihrem Einkommen
- Solidaritätszuschlag – wird nur noch von höheren Einkommen erhoben
- Kirchensteuer – falls Sie Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft sind
- Sozialversicherungsbeiträge – Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung
Die Höhe der Abzüge variiert stark. Besonders die Steuerklasse spielt eine große Rolle. Steuerklasse I (ledig, keine Kinder) führt zu höheren Abzügen als Steuerklasse III (verheiratet, Alleinverdiener). Auch die Wahl der Krankenkasse (gesetzlich oder privat) und der Zusatzbeitragssatz beeinflussen das Netto.
Beispielrechnung: Mindestlohn 2026 brutto zu netto
Nehmen wir eine Vollzeitstelle mit 173,33 Stunden pro Monat zum Mindestlohn von 13,90 Euro. Das ergibt ein Bruttomonatsgehalt von 2.410 Euro. Für eine grobe Schätzung des Nettos legen wir Steuerklasse I, gesetzliche Krankenversicherung (durchschnittlicher Zusatzbeitrag), keine Kirchensteuer und keine Kinderfreibeträge zugrunde.
- Lohnsteuer: ca. 180–220 Euro (abhängig von der genauen Steuerberechnung)
- Solidaritätszuschlag: entfällt bei diesem Einkommen meist
- Krankenversicherung: ca. 190 Euro (14,6 % + Zusatzbeitrag, Arbeitnehmeranteil ~7,3 % + 1,7 %)
- Pflegeversicherung: ca. 35 Euro (3,4 % bzw. 4,0 % bei Kinderlosen)
- Rentenversicherung: ca. 225 Euro (18,6 %, Arbeitnehmeranteil 9,3 %)
- Arbeitslosenversicherung: ca. 60 Euro (2,6 %, Arbeitnehmeranteil 1,3 %)
Summe der Abzüge: etwa 690–730 Euro. Das Netto liegt somit zwischen 1.680 und 1.720 Euro. Bitte beachten Sie: Dies ist nur eine vereinfachte Darstellung. Ihr tatsächliches Netto kann abweichen. Nutzen Sie unseren Brutto-Netto-Rechner für eine individuelle Berechnung.
Weitere Berufsgruppen im Vergleich
Die Onsite-Referenz nennt typische Bruttogehälter für verschiedene Berufe. Auch wenn diese über dem Mindestlohn liegen, zeigen sie, wie sich die Abzüge auswirken:
- Verkäufer/in (Einzelhandel): 2.600 € brutto → Netto ca. 1.800–1.900 €
- Lagerist/in (Logistik): 2.800 € brutto → Netto ca. 1.900–2.000 €
- Kraftfahrer/in: 2.900 € brutto → Netto ca. 1.950–2.050 €
- Bürokraft/Verwaltung: 3.200 € brutto → Netto ca. 2.100–2.200 €
- Handwerker/in: 3.400 € brutto → Netto ca. 2.200–2.300 €
- Pflegefachkraft: 3.600 € brutto → Netto ca. 2.300–2.400 €
Alle Werte gelten für Steuerklasse I, gesetzlich versichert, ohne Kirchensteuer. Die tatsächlichen Nettobeträge variieren je nach individuellen Faktoren.
Minijob und Mindestlohn
Auch Minijobber haben Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Die Verdienstgrenze für Minijobs liegt 2026 bei 603 Euro monatlich. Wer zum Mindestlohn von 13,90 Euro arbeitet, darf maximal rund 43 Stunden im Monat arbeiten, um die Grenze nicht zu überschreiten. Minijobs sind in der Regel sozialversicherungsfrei (Ausnahme: Rentenversicherungspflicht mit Opt-out). Weitere Informationen finden Sie in unserem Themenbereich.
Ausblick: Mindestlohn 2027 und darüber hinaus
Die Mindestlohnkommission hat für 2027 eine Erhöhung auf 14,60 Euro pro Stunde empfohlen. Damit steigt das Bruttomonatsgehalt einer Vollzeitkraft auf rund 2.530 Euro. Auch der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer wird voraussichtlich steigen (2026: ca. 12.348 Euro). Das bedeutet, dass ein Teil des Mindestlohns steuerfrei bleibt. Dennoch sollten Sie bei Ihrer persönlichen Finanzplanung immer die aktuellen Werte des BMAS und der Steuerbehörden prüfen.
Fazit
Der Mindestlohn in Deutschland sorgt für ein Mindesteinkommen, doch das Netto hängt von vielen Faktoren ab. Wer seinen individuellen Nettolohn berechnen möchte, nutzt am besten einen Brutto-Netto-Rechner oder konsultiert die Lohnabrechnung. Die regelmäßigen Anpassungen durch die Mindestlohnkommission machen es notwendig, auf dem Laufenden zu bleiben. Besuchen Sie unsere Startseite für aktuelle Informationen.
Häufige Fragen
Was ist der Mindestlohn in Deutschland ab 2026?
Ab dem 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro pro Stunde. Bei einer Vollzeitstelle (ca. 173,33 Stunden pro Monat) ergibt sich ein Bruttomonatsgehalt von rund 2.410 Euro. Für 2027 ist eine weitere Erhöhung auf 14,60 Euro pro Stunde beschlossen.
Wie viel Netto bleibt vom Mindestlohn übrig?
Das Nettoeinkommen hängt von Ihrer Steuerklasse, Krankenversicherung und anderen Faktoren ab. Bei Steuerklasse I, gesetzlicher Krankenversicherung und ohne Kirchensteuer können Sie bei einem Bruttogehalt von 2.410 Euro mit einem Netto von etwa 1.650 bis 1.750 Euro rechnen. Nutzen Sie unseren [Rechner](/rechner) für eine genauere Schätzung.
Gilt der Mindestlohn auch für Minijobs?
Ja, der gesetzliche Mindestlohn gilt auch für Minijobs. Die Minijob-Verdienstgrenze liegt 2026 bei etwa 603 Euro monatlich. Wenn Sie zum Mindestlohn arbeiten, dürfen Sie maximal rund 43 Stunden pro Monat arbeiten, um die Grenze nicht zu überschreiten. Mehr dazu in unserem [Themenbereich](/themen).